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Warum eine Auslandskrankenversicherung nicht zahlen musste

26.05.2018

Das Amtsgericht in München musste sich mit der Frage befassen, wann für eine Auslandsreisekrankenversicherung keine Leistungspflicht besteht (Az: 159 C 517/17). Die Versicherungsbedingungen regeln den Sachverhalt eigentlich recht deutlich. Dennoch kam es im vorliegenden Fall zur Klage.

Der Sachverhalt

Für seine zwei Töchter und sich schloss ein 42 Jahre alter Mann eine Auslandsreisekrankenversicherung ab. Im Anschluss flog er mit seiner Familie nach Pakistan. Nach der Rückkehr legte er dem Versicherer Abrechnungen für Medikamente in Höhe von 150.000 Rupien, ca 1.200 Euro zur Begleichung vor. Grund sei eine Magen-Darm-Erkrankung der gesamten Familie während des Aufenthaltes gewesen.

Die Versicherung lehnte die Kostenerstattung ab. Aus den eingereichten Unterlagen ging nicht hervor, für wen die Medikamente waren und zu welchem Datum die Rechnung ausgestellt wurde. Darüber hinaus machte die Versicherungsgesellschaft noch 250 Euro Auslagen geltend, die sie von ihrem Versicherungsnehmer einforderte. Diese Auslagen seien für Nachforschungsarbeiten, wer der Aussteller der Rechnung war, angefallen. Die Nachforschungen ergaben zu dem, dass das Unternehmen, von dem die Rechnung stammte, zumindest zum Zeitpunkt der Überprüfung nicht (mehr) bestand. Der Versicherer vermutete Betrug.

Durchschnittliche Behandlungskosten im Ausland

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Das Urteil der Richter

Ob man von einem klassischen Unentschieden ausgehen kann, bleibt dahin gestellt. Zunächst einmal lehnten die Richter die Klage des Mannes ab. Sie bestätigten die Aussage, die übrigens für alle Auslandskrankenversicherungen gilt, der Versicherungsgesellschaft. Die Rechnungen für medizinische Heilbehandlungen oder Medikamente aus dem Ausland müssen
• Den Namen der behandelten Person
• Das Geburtsdatum des Patienten
• Die Behandlungsursache
• Das verschriebene Medikament oder die detaillierte Behandlung
• Das Datum der Ausstellung des Rezeptes oder der Behandlung
aufführen. Andernfalls haben Versicherungsnehmer keinen Anspruch auf Erstattung.
Der Versicherungsnehmer konnte in keiner Weise einen Behandlungsfall nachweisen. Die vorgelegten Dokumente konnten dies auch nicht belegen. Vor diesem Hintergrund war die Versicherung von der Leistungspflicht befreit.

Auf der anderen Seite konnte der Versicherer aber auch nicht belegen, dass die eingereichten Unterlagen Fälschungen seien. Somit wurde auch die Regressforderung des Unternehmens abgewiesen.

Wer sich im Ausland von einem Arzt behandeln lässt, sollte immer darauf achten, dass die Arztrechnungen die oben genannten Punkte beinhalten, damit er nicht am Ende auf seinen Kosten sitzen bleibt.

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